Licht – Klang – Raum: „Ach, Mensch!“

Licht – Klang – Raum: „Ach, Mensch!“

Zu einem Konzertabend mit szenischer Lesung von drei Schauspielern des Rheinischen Landestheaters (RLT) hatte Katja Ulges-Stein, die Kantorin der evangelischen Christuskirche, eingeladen.

Von Hansgeorg Marzinkowski, 11.Oktober 2021, NGZ Online

„Ach, Mensch…“ war das Thema der vorwiegend musikalischen Beiträge. Schon die ersten Besucher überraschte ein in leicht getöntes Gelb erleuchteter Chorraum. Die Illumination wurde im Laufe des Abends vielfältig in wechselnden Farbschattierungen über den ganzen Kirchenraum projiziert. Lediglich das Kreuz über dem Altar blieb dunkel.

Der musikalische Beginn bot gleich anspruchsvollste Instrumentalmusik. Das „Duo Revivere“ aus Köln spielte die Flötensonate „Il pastor fido“ des Barockmeisters Nicolas Chedeville. Die hochinteressante Wiederbelebung war, dass Joaquín Sáez Belomonte den Flötenpart auf einem Sopransaxofon zelebrierte. Der Dozent für dieses Instrument an der Hochschule für Musik in Würzburg – nebenbei unterrichtet er auch an einer privaten Musikschule in Dormagen-Nievenheim – brauchte im vierten Satz einen langen Atem, um seine hohe Virtuosität auszuspielen.

Kongenial begleitete ihn Natalia Lentas am Cembalo. Das Duo machte auch das Oboen-„Concerto“ von Alessandro Marcello – wiederum ersetzte das Sopransaxofon die Oboe – zum spektakulären Klangbild wie auch die „Nymphen“ für Cembalo und Sopransaxofon der polnischen Komponistin Weronika Ratusinska, die einige Jahre bei Krzysztof Penderecki studiert hat.

Zeitgenössische Musik war auch der chorische Höhepunkt des Vokalensembles der evangelischen Christuskirchengemeinde. Das „Ubi caritas“ von 1999 des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo war an Intimität nicht zu überbieten. Ausgedehnte Intermezzi spielte gekonnt Ida Kobelke am Flügel. Zuvor hatte das elfköpfige Vokalensemble unter der Leitung von Katja Ulges-Stein stilsicher Motetten von Rameau, Andreas Hammerschmidt, Knut Nysted und ein Klagelied nach Psalm 120 des Schweden Otto Olsson gesungen.

Der Raum der Christuskirche bot auch drei Protagonisten des RLT eine vollkommen neue Kulisse. Ulrich Rechenbach, Peter Waros und Carl-Ludwig Weinknecht gaben mit der szenischen Lesung von Slawomir Mrozeks „Auf hoher See“ ein Gastspiel des RLT. Auf hoher See gibt es kein Entrinnen. Einer der drei Männer auf einem Floß soll aufgefordert werden, zu sagen „Bedienen Sie sich!“, damit die beiden anderen überleben. Er soll aufgefressen werden. Die ganze Absurdität des durchaus vergnüglichen Einakters mit rabenschwarzem Humor liegt in der verlogenen Argumentation aller drei Herren: „Ach, Mensch…!“